31. Mai: Weltweiter Aktionstag “Weisses Armband”
Am 31. Mai 1992 erliessen die bosnoserbischen Behörden der Stadt Prijedor, im Nordwesten Bosnien und Herzegowinas, folgendes Dekret: alle nicht-serbischen Bewohner Prijedors sind verpflichtet, ihre Häuser mit weissen Fahnen oder Tüchern zu markieren und müssen ein weisses Armband tragen, wenn sie ihre Häuser verlassen. Dies war der erste Tag einer Vernichtungskampagne, die zu Massenerschiessungen, Errichtung von Konzentrationslagern, Massenvergewaltigungen und zur definitiven Vetreibung von mehr als 94% der bosnischen Muslime und bosnischen Kroaten vom Gebiet der Gemeinde Prijedor führte.
Seit dem NS-Dekret von 1939, das polnische Juden verpflichtete ein weisses Armband mit einem blauen Davidstern zu tragen, handelte es sich hier um das erste Mal, dass Mitglieder einer ethnischen oder religiösen Gruppe in dieser Weise für die Vernichtung gebrandmarkt wurden.
Mitglieder einer Beobachtungsmission der Europäischen Kommission bezeugten, dass sie bei ihrem Besuch von gemischten serbisch-muslimischen Dörfern im August 1992 sahen, dass Häuser von Muslimen mit weissen Fahen gekennzeichnet waren, um sie von Häusern von Serben zu unterscheiden. Die Verfolgung von Nicht-Serben in Prijedor wurde vom Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien als objektiver Tatbestand (actus reus) einer Völkermordhandlung eingestuft.
Tausende von Menschen wurden ermordet, verhaftet, gefoltert, deportiert oder vergewaltigt. Das Gesicht der Gemeinde Prijedor wurde dadurch für immer verändert.
Das heutige Bosnien und Herzegowina ist ein Staat, der auf dem 1995 unterzeichneten Friedensvertrag von Dayton aufbaut, welcher Prijedor in den Händen der bosnischen Serben liess.
Den Opfern des genozidalen Vorgehens in Prijedor wurde bis heute von den lokalen Behörden nicht die geringste Anerkennung für ihr Leiden zuteil. Der Bürgermeister Marko Pavic und die lokalen Behörden weigern sich, die in Prijedor begangenen Verbrechen öffentlich anzuerkennen, trotz zahlreicher Urteile von internationalen und nationalen Gerichten. Die Errichtung von Denkmälern zu Ehren der Opfer wurde verboten, und der Zugang zu den Orten ihres Leidens wird den Opfern verweigert, beispielsweise von Arcelor Mittal, einem Unternehmen, dem nun das Terrain des früheren Konzentrationslagers in Omarska gehört.
Wir laden Sie ein, durch das Tragen eines weissen Armbands oder durch das Anbringen eines weissen Tuchs oder Fahne am Fenster am 31. Mai Ihre Soldiarität zu bekunden mit den Opfern der Massenverbrechen, die in Prijedor und weltweit begangen wurden.
Diese Aktionstag soll auf den Kampf nach Anerkennung von Millionen Menschen aufmerksam machen, die Unrecht und Leid erfahren mussten. Von Prijedor bis Johannesburg, von Djakarta bis Lima, lassen Sie uns daraus einen Tag machen, an dem wir unsere Stimmen erheben gegen die Verleugnung von begangenen Verbrechen. Lassen Sie uns am 31. Mai die Stimmen von den zahllosen Opfern sein, die wegen ihrer Abstamnung, ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder politischen Überzeugungen verfolgt wurden.
Tragen sie am 31. Mai ein weisses Armband, bringen Sie ein weisses Tuch oder Fahne an Ihrem Fenster an! Lassen Sie die Opfer in Prijedor und in der Welt wissen, dass sie nicht alleine sind.
Schicken Sie uns Ihre Kommentare sowie Geschichten von Opfern, denen das Recht auf Wahrheit und Erinnerung verweigert wird.